Dienstag, 8. November 2011
Im weiten Rund
Und zwar, weil dort eine Medienkonferenz der Schweizerischen Sportfachhändler und Sportartikel-Importeure statt fand. Natürlich nicht unten auf der grünen Wiese, sondern im schnieken Restaurant "Oval". Mit Rainer Maria Salzgeber hatten die Organisatoren auch einen prominenten Namen als Conferencier gesichert. Und die Häppchen nach der Medienkonferenz waren auch nicht von schlechten Eltern.
Was man auch vom Letzigrund sagen kann: Oft wird dieses Stadion hart kritisiert, weil es durch die nur mässig steilen Rampen keine Stimmung aufkommen lasse. Zudem sei das Fussballfeld wegen der Tartanbahn zu weit vom Publikum weg, und überhaupt ziehe es im Letzigrund jämmerlich. Scheint mir nach meinem Augenschein doch eher ein Jammern auf hohem Niveau zu sein, ich find das Stadion schmuck. Aber ich muss mir ja auch nicht zwei Stunden lang ein Gekicke drin ankucken.
Donnerstag, 12. November 2009
Von Secondos und Eidgenossen
Auf Eurosport, wo die Spiele der U17-Fussball-WM bereits übertragen wurden, bevor sich der Vormarsch der Schweizer Mannschaft bis ins Halbfinale abzeichnete, spricht der Kommentator regelmässig nicht von Schweizern, sondern von «Eidgenossen» - dies vor allem, um sich nicht zu oft zu wiederholen. Angesichts der Tatsache, dass das Gros der Spieler der Schweizer U17-Fussballnationalmannschaft seine Wurzeln nicht in der Schweiz hat, ist das schon fast unfreiwillige Komik.
Denn in der Schweiz selbst wird das Wort «Eidgenosse» abgesehen vom Geschichts-Unterricht an der Primarschule (vom Rütli bis Marignano, alles andere ist heikel und voller Widersprüche und darum für Kinder nicht geeignet) nur noch selten verwendet. Dafür auffällig oft als Kampfvokabel von xenophoben Leserbriefschreibern, die sich etwas darauf einbilden, dass sie keinerlei Migrationshintergrund haben. Schweizer könne man durch einen administrativen Akt werden, argumentieren diese mir unheimlichen Patrioten. Eidgenosse sei man dagegen von Geburt an, oder eben nicht. Wer hier Blut und Boden heraus schmeckt, liegt nicht falsch. Wer an Inzucht denkt, wohl auch nicht.
Noch viel lustiger wird’s aber, wenn solche Zuschriften aus Gebieten wie dem Thurgau, dem Aargau, dem Waadtland oder dergleichen stammen. Denn diese Gebiete waren zur Zeit des Ancien Régimes Untertanen-Gebiete, welche von den Eidgenossen gemeinschaftlich und im Turnus geschröpft wurden. So ist es kein Zufall, dass die grössten und prächtigsten Häuser in der Altstadt des Thurgauer Hauptortes Frauenfeld Namen wie «Bernerhaus», «Zürcherhaus» oder «Luzernerhaus» tragen: Es waren die prunkvollen Sitze der Landvögte dieser Kantone, gebaut mit den vor Ort erhobenen Zwangsabgaben. Erst Napoléon setzte dem Ancien Régime und damit diesem Treiben ein Ende. Aber auch der Eidgenossenschaft.
Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern: Die U17-Nationalmannschaft,
eine veritable Weltauswahl - und bemerkenswert erfolgreich.
Wenn also irgendwelche Turbopatrioten das nächste Mal wieder meinen, sie müssten sich etwas darauf einbilden, dass sich ihre Familie über Jahrhunderte in der Schweiz nachweisen lasse, dann sollten sie doch bitte auch daran denken: Die Eidgenossenschaft war kein Rechtsstaat, neben vollberechtigten Burgern gab es Untertanen verschiedener Kategorien. Die einen waren etwas besser dran (etwa die Zürcher Oberländer, die der Stadt Zürich nach der Pfeife zu tanzen hatten), die anderen nochmals schlechter. Wie die Thur- und die Aargauer.
Montag, 2. November 2009
Von Furien und austeilenden Mimosen
Eigentlich bin ich ein Fussball-Muffel – wenn, dann schau ich mir Champagner-Fussball von Teams wie Barcelona oder Arsenal an, aber nicht den Profi-Dilettantismus der Super League. Ein Vorfall vom vergangenen Wochenende ist aber dennoch einen kurzen Kommentar wert.
Im Grunde ist Fussball eine treffliche Metapher fürs reale Leben: Weil sich 22 erwachsene Menschen nicht über einen Modus einigen können, wer den Ball wie lange haben darf, wird gegrätscht, getreten, gezerrt und gespuckt. Und nicht zu vergessen: Lamentiert und simuliert. Angesichts des vorgelebten Verhaltens auf dem Platz sollte man sich denn auch nicht wirklich über das Fehlverhalten mancher Fans im und vor dem Stadion wundern.
Am vergangenen Samstag traf wieder einmal der FC Basel auf einen Zürcher Club – eine Affiche, die bisher meist zu Ausschreitungen zwischen den Anhängern der Vereine führte. Diesmal beschränkten sich die Aktionen, die man so lieber nicht sieht, auf den Platz: Denn insgesamt sahen drei Spieler zu recht die rote Karte. Und einer kam zu Unrecht davon. Dabei liess er sich das zu Schulden kommen, was in meinen Augen absolut inakzeptabel ist: Zuerst derbe austeilen, dann die Mimose heraus hängen, das ist voll der Totti-Style und charakterlich unterste Schublade.
Worum geht es? In der 59. Minute, nur zwei Minuten nach einem Platzverweis gegen GC, blieb Gonzalo Zarate nach einem Lauf am linken Flügel hängen – und grätschte dem Basler Verteidiger David Abraham beim Versuch, den bereits verlorenen Ball zurück zu erobern, voll in die Beine. Dabei traf Zarate mit voller Wucht und leider wohl auch nicht ohne Absicht das bereits verletzte Fussgelenk Abrahams (die fragliche Szene spielt sich im eingebetteten Clip von 3min50 bis 4min38 ab, die Bilder stammen von SF).
David Abraham, der nur dank schmerzstillenden Mitteln überhaupt spielen konnte, ging zuerst zu Boden, rappelte sich dann aber auf und rannte wutentbrannt auf Gonzalo Zarate zu - der Schiedrichter hatte Zarate's fiesen Tritt bemerkenswerterweise nicht als Foul abgepfiffen. Mit ausgestreckten Armen rempelte Abraham Zarate, der prompt wie vom Blitz getroffen zu Boden ging und sich auf selbigem wälzte. Laut den einen Zeitungen habe Abraham den Zarate «niedergeschlagen», laut dem Tages-Anzeiger habe «die Furie von St. Jakob-Park Zarate den Ellbogen ins Gesicht gerammt». Die Sicht des FCB-Vizepräsidenten Bernhard Heusler, wonach Abraham nicht geschlagen habe, hat dieser nicht «ziemlich exklusiv», da geh ich mit Heusler einig - es sei denn, Schubsen und Schlagen seien identisch. Oder gar ein «Ellbogen ins Gesicht rammen», wie durch die Zürcher Brille der Tagi-Fussballreporter.
Wer sich die Mühe macht, die Bilder genau zu studieren, der kommt zum Schluss: Klar hat Abraham unbeherrscht reagiert, und die rote Karte ging auch schon für seinen Rempler in Ordnung. Aber weder hat er den Simulanten und Treter Zarate niedergeschlagen, noch hat er ihm den Ellbogen ins Gesicht gerammt: Was Zarate da trifft, ist weder Faust noch Ellbogen, es ist die Armbeuge von Abraham. Und die muss offensichtlich ungemein hart sein, dass sich der Zarate danach wie ein Schwerstverwundeter am Boden wälzt.
Für mich steht fest: Zarate hätte mindestens Gelb verdient für sein missratenes Tackling gegen Abraham, und nochmals Gelb für sein mimosenhaftes Simulieren, nachdem er Momente zuvor noch den rücksichtslosen Holzfäller gemimt hatte. Es ist zu hoffen, dass Zarate für diese Aktion noch von der Disziplinarkommission der Liga zur Verantwortung gezogen wird – und dass diese Aktion auch bei der Bemessung der Sanktion gegen David Abraham nicht vergessen geht,


