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Mittwoch, 14. März 2012

Die Rückreise...

Auf dem Rückweg aus Taiwan machte ich in Peking Halt - was erfreulich mühelos von Statten ging. Einige Schnappschüsse und Eindrücke von der Rückreise will ich den Besuchern meines Blogs nicht vorenthalten.

Auch die Ummauerung des neuen SRAM-Asienhauptsitzes kommt im Corporate Design daher.

Den letzten Morgen in Taiwan verbrachte ich in der Verwaltung des Carbon-Spezialisten Mekkem. Dort konnte ich an letzten Texten für einen grossen Jackentest im Outdoor Guide arbeiten, ehe wir vom Chef John Lin zum Mittagessen chauffiert wurden. Der Weg zum Restaurant führte an den Asien-Headquarters von SRAM vorbei, wo sich seit meinem Besuch im vergangenen Juni eine Menge getan hat. Nach dem Mittagessen und einem Kaffee wurde ich von Marvin zum Bahnhof der Highspeed Railway gefahren.


Von Taichung brauste ich zum Bahnhof des internationalen Flughafens Taoyuan, immerzu am Laptop arbeitend. Weiter ging es mit dem Shuttlebus zum Terminal 2, dem besten am Flughafen Taoyuan. Denn hier hat man an allen Gates gratis WLAN, und auch sonst ist das Terminal geschleckt und modern. Im Flieger, den ich gegen 18 Uhr als einer der letzten betrat, war es rappelvoll: Jeder Chinese schleppte mehrere Taschen mit Konsumgütern aus Taipeh in die Kabine. So kam mein Rucksack (aber leider nur mein Rucksack) in den Genuss eines Platzes in der Business Class - die auf diesem Air China-Flug aus gerade einmal vier Plätzen bestand.


Während des Flugs ergab sich ein sehr interessantes Gespräch mit einem 34jährigen Taiwanesen, der auf der anderen Seite des Gangs sass. Er war zu stilsicher angezogen, um ein "Mainlander" zu sein, und sein Englisch auch zu gut. Er hiess Jack, stammte aus Taichung und arbeitete seit einigen Jahren für Philip Morris China in Peking. Und war in einem Flieger voller Einkaufstouristen mit vollen Taschen eine willkommene Ausnahme. Nachdem ich mich in Peking von Jack verabschiedet hatte, erfuhr ich am Zoll, dass ich für meinen Kürzestaufenthalt in Peking gar kein Visum gebraucht hätte. Na toll!

Was man mit diesem Schildchen genau mitzuteilen versucht?

Den mir beschriebenen Informationsschalter von Air China fand ich ohne Probleme, und tatsächlich hatte man dort auch einen Zettel mit meinem Namen drauf. Es klappte also mit dem Stopover-Hotel, offeriert von der Fluggesellschaft wegen der Streichung des Nachtflugs. Am Zoll hatte ich einige Deutsche getroffen, die direkt im Web gebucht hatten und keine Ahnung vom Anspruch auf ein Stopover-Hotel bei Flug-Annulierungen hatten. Die verbrachten dann halt die Nacht im Flughafen Pekings.

Beim Blick aus dem Fenster war der Kontrollturm des Flughafens hinterm Lagerhaus zu sehen.
Ich dagegen wurde nach einer halben Stunde Warten (kein Problem, ich konnte Strom aus der Steckdose ziehen und hatte zu tun) zu einem nicht mehr ganz taufrischen Ford Transit mit Bestuhlung geführt und in dieser Rumpelkiste ins Hotel gefahren. Dieses lag zwischen Lagerhäusern grosser Logistikunternehmen an der Peripherie des Flughafens. In den Gängen miefte es gehörig nach Rauch, aber die Dusche erwies sich als überaus funktionell und die Betten waren zwar eher hart, aber sauber. Nichts dran auszusetzen. Schmunzeln musste ich über die Warnung vor Drogen, die man in pädagogischer Absicht in die Zimmer gestellt hatte - etwas gewöhnungsbedürftig, das Englisch: "Make life refused to drugs".

Gleich links neben dem Gebäude führt eine der Anflugsschneisen durch-

Dank der Great Firewall war mit Firefox in Peking nicht viel zu wollen, der Mailverkehr und auch Skype funktionierten dagegen tadellos. So konnte ich endlich die letzten Texte an die Redaktion des Outdoor Guide schicken. Witzig war, dass sich am nächsten Morgen beim Frühstück heraus stellte, dass ich der einzige Nichtchinese in diesem nach volksrepublikanischen Massstäben "Business-Hotel" mit drei Sternen war. Das Frühstück war denn auch "decidedly non-continental". Vor allem aber vermisste ich Kaffee oder irgend etwas zu trinken, egal ob Wasser oder Fruchtsaft. So beschränkte sich das Frühstück auf kalten Fried Rice mit Pepperoncini-Scheiben. Mal was anderes als Speck, Rührei und Miso-Suppe.

Grosse Stadt, grosser Flughafen - und dazu noch alles sehr neu, dank Olympia 2008.

Die letzten 15 Minuten bis zur Abfahrt des Shuttlebusses verbrachte ich im Freien. Vom berüchtigten Peking Smog war nicht viel zu merken. Die Flieger donnerten zwar tief über die Dächer der Lagerhäuser und des Hotels, aber immerhin schien endlich mal wieder die Sonne. Das hatte mir in Taiwan diesmal arg gefehlt. Der Bus zum Terminal war dann wieder grotesk überfüllt, weil Chinesen nicht ohne ihren halben Hausrat reisen zu können scheinen. Und zu allem Überfluss musste ich als einziger und erster beim Internationalen Terminal 3 aussteigen - und dabei über das Gepäck der anderen klettern.


Noch ohne Kaffee im Leib: Im Flughafen Peking, Mittwoch gegen 13 Uhr Ortszeit, 6 Uhr MEZ.

Im Terminal angekommen, wechselte ich zuerst einmal 1000 NT$ und bekam dafür nach Abzug einer Pauschalgebühr 157 Renminbi. Das reichte gerade so für zwei grosse Capuccinos, ein Schokoladen-Erdnuss-Gebäck und ein im Faktor Drei überteuertes Time Magazine, wie sich heraus stellen sollte. Immerhin war der Flieger nach Frankfurt weit moderner als die Kiste aufm Hinweg oder der noch dubiosere Flieger, der uns von Taipeh nach Peking gebracht hatte. Und mit dem Platz direkt am Gang konnte ich auch zufrieden sein. Leider gelang es mir nicht, im Flieger zu schlafen, da kam mir nach acht Tagen Asien der Tag-Nacht-Rhythmus in die Quere. Und zu allem Überfluss schaffte ich es noch, einen Drittel des einzigen Bierchens, das ich mir im Flieger gönnte, über den eigenen Schoss zu kippen. Zum Glück drei Stunden vor der Landung in Frankfurt, so konnte die Bescherung bis zum Aussteigen wieder einigermassen trocknen.


Erstaunlich praktisch: Die Kombi-Steckdosen am Flughafen Peking funktionieren ohne Adapter.


It's a long hard road: Einmal quer über Russland mit Zugabe, bitte.

Kaum gelandet, hatte ich in Frankfurt die Redaktion von Tages Anzeiger Online am Draht - Mist, ein Beitrag für den Bike-Blog musste ja auch noch her. Aber kein Problem, noch war ja Zeit in Frankfurt. Oder wäre gewesen, denn der FraPort wurde seinem üblen Ruf als Servicewüste und Schwarzes Loch für Reisende mal wieder gerecht: Die Kapazitäten am Security Check wurden nicht mal zu einem Drittel genutzt. Als ich schon 5 Minuten gewartet hatte, wurde ein weiteres Band geöffnet. Als ich endlich an die Reihe kam, wurde mein Band geschlossen. Ohne Sorry, ohne Begründung. Nur mit der barsch geäusserten Anweisung, sich am nächsten Band anzustellen. Hinten, versteht sich.

Fast am Ziel: Der Flieger hat in Zürich angedockt, kurz vor 20 Uhr MEZ am Mittwoch.

Meine Laune war somit bei der Rückkehr nach Europa gleich mal wieder optimal. Auch eine Trinkwasser-Zapfsäule gab es am Mini-Gate, von dem der letzte Flug abging, weit und breit nicht. In Taipeh und in Peking gibt's das an jedem einzelnen Gate, in Frankfurt nicht. Immerhin funktionierte die halbe Stunde Gratis-WLAN für Fluggäste, so dass ich den Beitrag für den Bike-Blog schon einmal aufgleisen konnte, bevor das Boarding des dritten Fliegers auf der Rückreise begann. Nach den 3 Stunden von Taipeh nach Peking und den fast zehn Stunden von Peking nach Frankfurt kam mir der Flug nach Zürich wie ein Hupfer vor.

Keine halbe Stunde nach der Landung des Fliegers stieg ich um halb neun Uhr abends mit dem Koffer in der Kralle in den Schnellzug nach Winterthur. Nach zehn Tagen Gigantomanie und grosser, weiter Welt sagte mir meine innere Stimme: Small is beautyful.

Montag, 5. März 2012

Auf Achse, in der Luft und unter Strom

Nach einer arg kurzen Nacht machte ich mich am Sonntag morgen auf die lange Reise in Richtung Taipeh. Die Eindrücke will ich den Besuchern meinen Blogs nicht vorenthalten.

Kurz vor 2 Uhr nachts war ich zurück vom Konzert von Götz Widmann. Damit der Sugo-Rest nicht im Kühlschrank vergammelt, haute ich den noch auf drei Scheiben Vollkornbrot, belegte diese mit Gruyère und schob das Ganze in den Ofen - als kleiner Nachtimbiss. So wurde es spät, ehe ich mich hinlegte, und kurz nach halb Sieben ging schon wieder der Wecker. Also duschen, Kaffee kochen, Kaffee trinken, die letzten Sachen packen und um 7:20 Uhr zur Tür raus.


Mit dem Bus ging's an den Bahnhof und von dort per S-Bahn zum Flughafen, wo ich kurz nach 8 Uhr eincheckte und dann nochmals Zeit bis um 10:10 Uhr hatte. Also wollte ich noch am Laptop an zwei dringenden  Texten arbeiten. Bloss: Findet in der Grossbaustelle Unique mal eine Steckdose! Die Dinger verstecken sich hinter Selecta-Automaten oder Internet-Konsolen. Aufm Weg zu meinem Gate fand ich EINE Steckdose: Zwischen einem Warenlift und einem Dienstausgang, ohne Sitzgelegenheit. Tolle Sache!



Pünktlich kam ich in Frankfurt an - und hatte dort wieder mehr als genug Zeit und so gar keinen Stress. Denn ich konnte im gleichen Terminal bleiben. Nach kurzer Suche fand ich eine Steckdose, und erst als der Abflug in Richtung Peking näher rückte, wurde das Gate ersichtlich. Und sieh an: Weil Air China wie die Lufthansa der Star Alliance angehört, wurde von einem schnieken Gate mit genügend Steckdosen abgeflogen. Etwas überrascht hat mich, dass Asiaten auf diesem Flug klar in der Minderheit waren.


Um 14:50 Uhr MEZ verliess der Flieger mit nur zehn Minuten Verspätung Frankfurt, und auf dem langen Marsch - pardon, Weg über Russland machte der gute, alte Jumbo 747 diesen Rückstand mehr als nur wett. Zudem hatte ich bereits am Gate in Frankfurt die Boardingkarte für den Anschlussflug ab Peking erhalten, und das Gepäck war auch durchgebucht. Alles bestens also? Naja, der Flug dauerte über 9 Stunden, ein individuelles Unterhaltungsprogramm wie bei anderen Fluggesellschaften gab es nicht, und der Beamer projizierte Sondermüll auf die Leinwand: "Transformers 2", echt ungeniessbare Hollywood-Scheisse. Da muss ein destruktiv veranlagter Kindergärtner Regie geführt haben, übel!

Aber ich hatte ja ein spannendes Buch dabei und las dafür stundenlang darin - denn Schlaf fand ich trotz der kurzen Nacht kaum. In Peking zeigte sich dann, dass dieser Flughafen zwar topmodern und geschniegelt, aber nicht auf internationalen Transitverkehr ausgelegt ist: Nur zwei Damen kümmerten sich um die Ausweiskontrolle, gar nur ein Metalldetektor war bei der Sicherheitskontrolle bemannt. Das zog entsprechende Wartezeiten nach sich. Aber es reichte auch so für den Anschlussflug.

Mehr noch: Ich fand sogar noch Zeit, einen WLAN-Hotspot mit integrierten Steckdosen zum Aufladen eigener Geräte (habt Ihr das gehört, Ihr Unique-Luschen?) abzufotografieren. Und das im Land der grossen Firewall! Und dazu einen idyllischen, für Peking typischen Smog-Sonnenaufgang mit funky Farben - das sah in echt noch krasser aus als aufm Bild. In der Hauptstadt Chinas war es übrigens am frühen Morgen bitterkalt, das Thermometer zeigte -4 Grad.


Ein paar Grad wärmer, aber nicht viel war es dann im Flieger, der uns nach Taipeh bringen sollte - ich friere selten im Flieger, aber in der Kiste war das anders. Immerhin konnte ich in der Kühlbox aber nochmals etwas Schlaf nachholen. Zuerst einmal verzögerte sich jedoch der Start, weil ein Passagier nicht aufgetaucht war und sein Gepäck darum wieder heraus gefischt werden musste. Und danach hiess es, sich hinten anstellen auf der Startbahn für den Flug von etwas über drei Stunden. Am Ende kamen so fast zwei Stunden Verspätung beisammen.

Vom Einchecken bis zur Ankunft aufm Taoyuan International Airport vergingen insgesamt geschlagene 23 Stunden. Die reine Flugzeit belief sich dabei auf 14 Stunden, dazu kamen insgesamt 9 Stunden Warterei in Zürich, Frankfurt und Peking. Da hatte ich mir die letzte Etappe redlich verdient: Das Shangri-La Far Eastern Hotel hatte einen Fahrer mit schwarzem Riesenlexus abgestellt, finanziert von der Taitra. So liess ich mich ins Zentrum von Taipeh chauffrieren, hinten rechts und ganz entspannt.  

Trotz Übermüdung war aber Schlafen kein Thema nach der Ankunft: Nach einer kurzen Dusche zog ich in Bermuda und kurzer Hose in Richtung Stadt los. Zum Glück steckte im Rucksack eine leichte Windjacke, denn es blies nicht nur happig, sondern bald setzte auch teils ergiebiger Regen ein. Darum gibt's morgen etwas weniger Bilder von Tag 1 in Taipeh.

Montag, 14. November 2011

Taiwan calling - Part I

Sieben Stunden Zeitverschiebung, ein Nonstop-Flug von 11'000 Kilometer, 20 Grad mehr als der Schweiz und ein volles Programm in den kommenden drei Tagen: Das sind die Eckdaten meines aktuellen Trips nach Taiwan.

Morgen Dienstag geht es mit dem offiziellen Programm der Media-Tour los, zu der die Handelskammer Taiwans ausgewählte Journalisten eingeladen hat. Neben einer Pressekonferenz mit einer Menge Vertreter der taiwanesischen Fahrrad-Industrie und einer Radlausfahrt stehen auch sechs Fabrikbesuche am Mittwoch beziehungsweise Donnerstag aufm Programm. Der Freitag steht mir in Taipeh zur freien Verfügung.


Aber immer schön der Reihe nach: Am Sonntag quälte ich mich nach zweieinhalb Stunden Schlaf kurz vor fünf Uhr in der Früh verkatert aus dem Bett. Und schwer erkältet dazu, an Nasenatmung war nicht zu denken. Dennoch konnte ich den Zeitplan einhalten und traf um zehn nach sechs Uhr in der Früh am Flughafen Zürich ein. Und erlebte erst einmal einen Schreck: Meine eTicket-Nummer war dem Selbst-Checkin-System nicht bekannt. Am Schalter klärte sich die Sache zum Glück.


Weiter ging es durch den Unique Airport, der sich vor allem als Unikat in Sachen Gebastel und Grossbaustelle präsentierte. Von der Decke hängende Kabel und freier Blick auf gegen Brand behandelte (Asbest?) Stahlträger hätte ich eigentlich erst in Frankfurt erwartet, nicht aber in Zürich. Lustig auch, dass ich es ungewollt schaffte, einen halben Liter Schokomilch durch die Security zu schmuggeln - von wegen maximal 100ml, meine Herrschaften!

Nach einem geruhsamen Flug überm Nebelmeer stand dann in Frankfurt die Disziplin Transit-Stress an. Um das Gepäck brauchte ich mich nicht zu kümmern, aber weil ich vom einen ins andere Terminal wechseln und selbst noch für die Etappe von Frankfurt nach Taipeh einchecken musste, erwiesen sich auch die eineinhalb Stunden als knapp. Knapp, aber ausreichend. Und oh Wunder: Der Flughafen Frankfurt war dieses Mal nicht einmal eine zugig-ungemütliche Baugrube.


Die fast dreizehn Stunden Flug ab Frankfurt wurden dadurch versüsst, dass ich zwei Plätze zu meiner Verfügung hatte - sehr willkommen in der Holzklasse. Dafür wurde in Taipeh an der Ankunftshalle auf Hochtouren gebaut - und den Bauarbeiten war der Bankomat zum Opfer gefallen. Also sah ich mich zu einem Umweg gezwungen, um mich mit Taiwan-Dollars einzudecken. Und dann mit dem High Speed Railway nach Taichung weiter zu fahren.

Im 7-Eleven kaufte ich mir zwei Onigiri, staunte danach über die feuchte Hitze im November und wurde dann von einem ehemaligen Arbeitskollegen abgeholt. Der ist aus den Niederlanden nach Taiwan ausgezogen, um dort in der Bikebranche zu arbeiten. Und sein Arbeitgeber, Mekkem, war denn auch das erste Ziel. Auf dem Weg zwischen den beiden Produktionsstandorten dieses Carbonspezialisten stach mir diese taiwanesische Variante eines Aebi ins Auge - strictly ghetto!

Als zweiter Termin stand am Nachmittag ein Besuch bei Tektro an, einem grossen Hersteller von Bremssystemen. Und wie sich heraus stellen sollte: Eine interessante Firma, die mit rund 1300 Mitarbeitern an drei Standorten (einmal Taiwan, zweimal China) pro Jahr 5 bis 6 Millionen Bremsen produziert. Und die dennoch eine ausgesprochene Flexibilität an den Tag legt und auch Kleinstserien fertigt.

Nun ist es in Taiwan halb Acht Uhr abends gewesen, und in etwa 20 Minuten gehen wir chinesisch essen. Wir, das sind in diesem Fall mein holländischer Kumpel Marvin, sein Chef John Lin und ich. Und morgen geht es dann mit dem offiziellen Programm los. Also diesen Blog schön im Blick behalten, weitere Updates sind in den kommenden Tagen zu erwarten.

Montag, 1. Dezember 2008

Von Dauerbaustellen und Himmelstürmern

Kurzfristig wurde ich von einem meiner Auftraggeber angefragt, ob ich an einer von der Taiwanesischen Handelskammer organisierten Pressereise teilnehmen wolle. Mal sehen, wo und wie ein Grossteil der Bike-Rahmen und -Teile hergestellt werden: Warum nicht?

Keine zwei Wochen später verliess ich kurz nach fünf Uhr morgens (und das an einem Sonntag) meine Wohnung, mit Kofferrolli und Daypack. Über eisglatte Trottoirs stapfte ich fröstelnd und noch nicht wirklich wach zum Bahnhof Winterthur, von wo ich per S-Bahn zum Zürcher Flughafen gelangte. Nach einem Cappucino Grande von StarBucks war ich dann auch so weit aufnahmefähig, dass ich mich im Flieger nach Frankfurt der NZZ am Sonntag widmen konnte.

Der diskrete Charme des Gammels und der Improvisation: FraPort ahoi!

Bauen, basteln ohne Ende: FraPort
Binnen einer Stunde setzte der Flieger in Frankfurt auf. Und obwohl Mainhattan sich mächtig was auf den FraPort einbildet, ist dieser Flughafen in meinen Augen eine mittlere Zumutung. An allen Ecken und Enden siehts aus, als ob es Mike Krüger langweilig geworden wär. Mach Dein Ding, der Hobby-Handwerker lässt grüssen und der FraPort wird zur Dauerbaustelle. Mal versperren Baugitter die Sicht auf erst im Rohbau erstellte Gates, mal hängen Kabel von der Decke, das man sich in der heruntergekommenen Schwesterstadt von Pristina wähnt.

Offene Kabel, Bauabschrankungen, ein Luftentfeuchter und braunes Papier aufm Boden:
Passt doch alles bestens zur Auslage dieser Parfümerie, oder?
Lieblos mit einem grossen L.

Vor allem aber ist das Signalisierungskonzept doch eher eigenwillig. So sind Schautafeln mit den Abflügen dort angebracht, wo man sie weder vermutet noch ohne weiteres sehen kann. Weil ich im Transit das Terminal wechseln musste, kam ich immerhin noch in den Genuss einer Fahrt in der FraPort-Hochbahn. Und im Rahmen einer Stichkontrolle wurden dann gleich auch noch Laptop, Diktiergerät und Digitalkamera auf Sprengstoffspuren untersucht – offensichtlich nur darauf, denn es kam zu keinem auffälligen Befund.

An diesen Bauabschrankungen vorbei gelangt man ins Terminal 2.

Vom Winter in die tropische Schwüle
Der Flug nach Taipeh dauerte über 12 Stunden. Zum Glück war der Jumbo nicht voll belegt, so dass auch in der Economy-Class das Sardinen-Gefühl weitgehend ausblieb. Ich kam gut voran in einem Buch, das ich dringend lesen muss, und dann wurde auch noch ein Film gezeigt, den ich im Kino verpasst hatte: Der kleine Roboter Wall-E räumt die von Menschen ruinierte Erde auf. Disney macht einen auf Konsumkritiker, im 21. Jahrhundert scheint alles möglich und nichts ausgeschlossen.

Englisch meets Chinese - so etwas wie das Markenzeichen Taiwans.

Kurz vor Mitternacht mitteleuropäischer Zeit setzte der Flieger dann in Taiwan auf. Gleich nach dem Verlassen des überklimatisierten Fliegers fiel etwas auf: Es ist warm und schwül in Taiwan, sogar im Dezember. Und weil Jumbos nicht auf Taipehs Stadtflughafen landen können, holte mich ein vom Hotel bestellter Chauffeur ab. So kam ich in den Genuss, im Fond einer S-Klasse Beinraum und Platz bis zum Abwinken zu haben – nach einem halben Tag im Jumbo fast schon ein Schock. Aber nur fast.

Die Gefahr lauert überall - etwa, wenn Kinder unbeaufsichtigt eine Rolltreppe benutzen.

Wenn das fremde Land entlang des Highways nicht so faszinierend anders gewesen wäre, hätte mich im Fond womöglich der Schlaf übermannt. So saugte ich die exotische Vegetation, die nur aus der Ferne so aussieht wie gewohnt, und die Landschaft geradezu auf. Ich hätte nicht gedacht, dass Taiwan so hügelig ist – und doch so stark industrialisiert. Verpflanzt den Ruhrpott ins Appenzell – et voilà, schon habt Ihr eine Kopie von Taiwan. Wo man hinschaut, recken sich bewaldete Hügel, Hochspannungsleitungen und Kamine gen Himmel. Auf einem alten Tempel prangte gar ein übergrosses Swastika, in Europa durch diesen Ösi-Zöllnerbastard als Hakenkreuz zu fragwürdiger Bekanntschaft gelangt.

Und bitte schön auch immer schön am Geländer festhalten...

Bereits auf dem Weg nach Taipeh drängten sich erste Eindrücke auf: Diese Metropole ist hochgradig verdichtet und äusserst geschäftig. Und auf den letzten Kilometern bis zum Hotel konnte ich nur staunen, wie es die Taiwanesen schaffen, sich grösstenteils um die Verkehrsregeln zu foutieren und dennoch keine Unfälle zu bauen.

Ein Blick aus dem Hotel-Fenster: Der 101-Tower scheint zum Greifen nah.

Zumal sich Gevatter Staat wirklich alle Mühe gibt, vor jeder erdenklichen Gefahr im Leben zu warnen. Und viele im Alltag selbstverständliche Dinge schlicht zu verbieten – etwa Wasser trinken auf dem Bahnsteig der U-Bahn. Eins war für mich angesichts des herrlichen Wetters schon klar: Schlafen konnte ich später, jetzt wartete diese emsige Stadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten wie dem «101 Tower» auf eine Erkundung.