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Donnerstag, 18. Oktober 2012

Und noch ein busy Weekend...

Am kommenden Wochenende weile ich für drei Tage im Tessin, um zusammen mit etwa 15 anderen Testerinnen und Testern rund 20 Mountainbikes des Jahrgangs 2013 die Sporen zu geben. Die letzten Probanden treffen heute ein, morgen in aller Früh geht es dann los.

Und wenn ich "in aller Früh" schreibe, dann meine ich das auch so: Damit ich rechtzeitig um 9 Uhr zum Start des Test-Wochenendes für die Zeitschrift "Outdoor Guide" bei der Talstation der Monte Tamaro-Bahn in Rivera-Bironico bin, muss ich um 5:30 Uhr den Zug in Winterthur erwischen. Von dort aus geht es via Zürich, Arth-Goldau und Bellinzona nach Rivera-Bironico, die gesamte Fahrt dauert drei Stunden und neun Minuten.


Während der Wetterbericht fürs Tessin zu Beginn der Woche noch wirklich schlecht war, hat sich das inzwischen geändert: Obwohl der Föhn auf der Alpennordseite für goldene Oktober-Tage sorgt, kann sich auch das Wetter im Tessin sehen lassen: Nach kalten Nächten soll das Thermometer auf 18 Grad klettern, und mit Regen ist ab heute Donnerstag nicht mehr zu rechnen - ideale Bedingungen also für die vielen Testfahrten, die mir bevor stehen.


Auch die Liste der Testbikes (oben) kann sich sehen lassen: Alle Probanden sind vollgefedert und nicht für Rennen, sondern als Alleskönner konzipiert. Im Fachjargon nennt man diese Kategorie "All Mountain" - die sportlicheren Cousins sind dann schon "Trailbikes", die etwas stärker abwärts orientierten Bikes fallen in die "Enduro"-Kategorie. Mit neun Twentyninern sowie je sechs 650B- und 26-Zoll-Bikes sind auch alle Laufradgrössen vertreten. Kurzum: Es wird ein spannender Test, auch für mich.  

Montag, 24. Oktober 2011

Ein langes Wochenende

12 Testfahrerinnen und Testfahrer, 14 Mountain Bikes und eine knüppelharte Strecke: Das waren die Zutaten für ein verlängertes Wochenende im Tessin. Anstrengend, aber schön. Und mit einigen Anekdoten gespickt.

Los ging es für mich persönlich um 4:40 Uhr am Freitag Morgen - kein Zuckerschlecken, denn ich war erst um viertel nach Eins ins Bett gegangen. Macht also dreieinhalb Stunden Schlaf. Um viertel nach Fünf in der Früh machte ich mich zu Fuss auf zum Bahnhof, mit Rucksack und Sporttasche. Weiter gings um halb Sechs Uhr nach Zürich und von da an um 6:09 Uhr weiter in Richtung Tessin. Von Arth-Goldau bis Bellinzona konnte ich nochmals eine Stunde schlafen, und kurz vor neun Uhr traf ich in Rivera ein, zwischen Monte Tamaro und Monte Ceneri.

Der Event-Anhänger von Stöckli war schon von weitem zu sehen. Ein Mitarbeiter von Stöckli hatte den Trailer mit einem VW-Bus ins Tessin befördert und fuhr bis zur Mittagspause noch mit dem Testteam einige Runden mit. Um neun Uhr morgens war es noch empfindlich kalt, auf den Wiesen lag etwas Reif. Mit der Sonne kam dann aber die Wärme, was die Fahrten auf der Testrunde einiges angenehmer machte.

Weniger angenehm war, dass auf dem Waffenplatz Ceneri grad geschossen wurde - am höchsten Punkt der Teststrecke über unsere Köpfe hinweg. A little piece of Libya in Ticino, haha. Zudem mussten wir auf der ersten Runde mehrmals anhalten und mit vereinten Kräften anpacken: Tote Bäume waren über die Strecke gestürzt und hatten verschiedene Stellen unpassierbar gemacht. Bei der nun fast kollabierten Brücke auf halbem Wege war auch so nichts mehr zu wollen: Da sollten die Gemeindebehörden mal bitte jemanden zur Reparatur hinschicken.

Aber zurück zum Testbetrieb: Von schweren Defekten, die Räder fahruntüchtig machten oder zu einem Gang in die Fachwerkstatt zwangen, blieben wir verschont. Stürze gab es einige, aber nur einer hatte ernsthaftere Folgen; Patricia musste zur Kontrolle ihrer rechten Hand nach Bellinzona ins Krankenhaus - und bekam prompt einen Bruch diagnostiziert. Auf der letzten Abfahrt am Sonntag legte sich auch noch Jürg hin, was das Ende seines Velohelms bedeutete. Er selbst kam mit einigen Prellungen davon, Schwein gehabt.

Selbst kam ich an den drei Tagen ohne Sturz durch und legte insgesamt 15 Runden auf der WM-Strecke von 2003 zurück. Ob das für meine vom Sturz von vor drei Wochen noch immer schmerzende, linke Schulter eine gute Idee war, kann ich im Moment noch nicht beurteilen. Auf lange Abfahrten ab der Mittel- oder Bergstation am Monte Tamaro hab ich freiwillig verzichtet, das hätte die Schulter kaum mitgemacht. Dafür konnte ich am späten Nachmittag schon auf dem Parkplatz einige Angaben zu den Testrädern erheben, wie die exakte Ausstattung oder das Gewicht der Laufräder.

So hatte ich diesmal am Samstag Abend nach dem Abendessen nur noch wenig zu tun - und konnte das Abendessen im Grotto umso mehr geniessen. Während ein Teil unserer Gruppe sich für ein Fondue Bourguignon mit Hirschfleisch entschied, liessen wir Windschwein-Filets auffahren. Herrlich, nach sieben Runden auf der Teststrecke allein am Samstag war das ein verdienter Lohn. Am selben Tag erlitt auch das Zugfahrzeug des Anhängers einen finalen Motoren-Infarkt. Zum Glück nicht auf der Autobahn, sondern morgens auf dem Parkplatz der Tamaro-Bahn.

So blieb genug Zeit, um als Ersatz einen Skoda-Kombi von Hertz als Ersatzfahrzeug bringen und den Ssangyong Kyron zum Verschrotten abholen zu lassen. Dieser Skoda war dann am Sonntag Nachmittag gefordert. Auf dem Weg von Bellinzona nach Biasca war der Verbrauch mit etwa 13 Litern auf 100 Kilometern noch harmlos, an den Rampen hinauf nach Airolo änderte sich dies: Bis zu 25 Litern genehmigte sich der Skoda (Tschechen sind als trinkfest bekannt), weil er die 1.4 Tonnen am Haken nur im vierten Gang die Rampen hoch bekam.

Im Stau vorm Tunnel konnte der Skoda abkühlen, danach wurde er auf schlechtem Strassenbelag vom grossen Anhänger gut durchgeschüttelt und geschaukelt. In Buochs luden wir ein erstes Testrad aus, kuppelten den Anhänger wenig später in Wolhusen ab und machten uns dann auf in Richtung Hirzel. Unterwegs erfuhren wir übers Radio die letzten Resultate der eidgenössischen Wahlen. Und die sorgten für gute Laune im Auto - vor allem die unverhofften Verluste der SVP, weniger diejenigen der Grünen.

In Sihlbrugg stieg ich aus, um die letzte Strecke via Zürich nach Winterthur wieder mit dem Zug zurück zu legen. Seither weiss ich auch, dass Sihlbrugg einer der garstigsten Bahnhöfe der Schweiz sein dürfte: Ein stillgelegtes Bahnhofsgebäude, ein Güterschuppen, dazu ein Selecta-Automat, eine karge Beton-Unterführung und ein Perron mit drei Bänkchen, aber ohne Warteraum. Das wärs - nicht eben angenehm, wenn ein eisiger Wind weht, die Temperaturen gegen Null grad sinken und man noch eine halbe Stunde auf den Zug warten muss.

Um neun Uhr abends traf ich endlich in Winterthur ein und machte mich auf zum Widder, um vielleicht noch einen Happen zu essen (es blieb bei einer Gemüsecreme-Suppe, oder genau genommen eineinhalb Portionen) und das Wochenende bei einem Bier oder zwei ausklingen zu lassen. Den Abschluss des langen Wochenendes bildete ein Fussmarsch via Bahnhof nach Hause, wieder mit Rucksack und Sporttasche. Was hätte ich da für ein Velo gegeben...

Freitag, 1. Oktober 2010

Von tanzenden Ratten und lügenden Schweinen

Dass die SVP auf guten Stil scheisst, ist nichts neues – wer solchen einfordert, hat in ihren Augen keine Argumente und ist obendrein eine Mimose. Mit ihrer jüngsten Kampagne geht die Tessiner SVP aber deutlich zu weit – und ist noch unaufrichtig dazu.

Sie sorgten in dieser Woche für Aufsehen in der Sonnenstube der Schweiz, wie das Tessin auch genannt wird: Plakate, auf denen Grenzgänger, Kriminaltouristen und der italienische Finanzminister Tremonti allesamt eher schlecht als recht als Ratten gezeichnet sind, die sich einen Tessiner Käse einverleiben wollen. Nun ist es schon reichlich geschmacklos, Menschen als Ratten zu (be-)zeichnen. Man könnte auch von einer vorsätzlichen Entmenschlichung reden, die für weitere Schritte eine Grundvoraussetzung ist.

Alles schon mal dagewesen: Ueli Maurer, inzwischen demonstrativ-unwilliger
Verteidigungsminister, vor einem Rattenplakat der SVP Zürich aus den 90er-Jahren.

Noch schlimmer als die geschmacklosen Plakate ist aber die Tatsache, dass deren Urheber zunächst anonym blieben. Das Plakat verwies nur auf eine Website, weitere Angaben zur Urheberschaft gabs nicht. Und auch auf der besagten Website gab kein Impressum über die Urheber auskunft - an sich schon ein Verstoss gegen das Gebot der Transparenz. Für Nachfragen der Medien war nur der Grafiker zu erreichen, der die Illustrationen zu verantworten hat – bezeichnenderweise ein aus Kalabrien zugewanderter Italiener, der seine Landsleute als Ratten darstellt. Auch dieser Herr hüllte sich aber bezüglich seiner Auftraggeber in Schweigen.

Dass am rechten Rand des politischen Spektrums rund um Volksabstimmungen gerne intransparente Adhoc-Komitees gegründet werden, ist in der Schweiz nichts Neues. Anonyme und zugleich menschenverachtende Kampagnen hingegen sind ein neueres Phänomen. Doch es kommt noch dicker: Dass für derartige Schweinigeleien auf Plakatwänden im Tessin eigentlich nur die Lega des ebenso cholerischen wie grossmäuligen Koksers und Waffennarren Giuliano Bignasca oder die SVP in Frage kommt, war von Anfang an klar. Doch beide Akteure verneinten auf Anfrage die Urheberschaft.

Ausländer statt Linke als Ratten, ein Käse statt eines Portemonnaies:
Recycling macht diese Kacke auch nicht besser, Herre Rusconi!

Einige Tage später lädt nun der Präsident der Tessiner SVP, Pierre Rusconi, zur Pressekonferenz. Und verkündet, dass seine Kantonalpartei sehr wohl hinter dieser Kacke auf Papier steckt. Als ob die Kampagne an sich nicht schon niederträchtig genug wäre, musste Rusconi anfangs Woche auch noch die Medien zur Frage der Urheberschaft anlügen. Ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Ich wünsche Herrn Rusconi von Herzen, dass er wegen dieser menschenverachtenden Hetzkampagne verklagt wird, die er via Plakatwände losgetreten und über die er zunächst auch noch gelogen hat. Mit dieser anonymen Schmierenkampagne importiert die Tessiner SVP ein weiteres Element der US-Politik in die Schweiz, und das als Partei, die sich als Gralshüterin der schweizerischen Demokratie versteht (und deren Exponenten dennoch dringend ein Repetitorium in Staatskunde nötig hätten). Aber das dürfte Leuten wie Rusconi nicht einmal auffallen.

Statt dessen bedauert Pierre Rusconi heute, dass es den Kritikern der Kampagne schlicht an Humor mangle. Vielleicht ist nicht ein Mangel an Humor das Problem, sondern so etwas wie Anstand beziehungsweise die Existenz eines historischen Bewusstseins, eine Kenntnis der jüngeren Zeitgeschichte und ihrer Zusammenhänge, wie man sie von einem Helfershelfer in Sachen Geldwäscherei und Steuerhinterziehung (Rusconi ist von Beruf Treuhänder...) nur allzu offensichtlich nicht erwarten kann und darf.

Weil niemand bis zu seinem Ableben strohdumm und ahnungslos bleiben muss, empfehle ich Herrn Rusconi eine Beschäftigung mit den Plakatmotiven aus der Zeit des III. Reichs. Einer finsteren Zeit, wo das Reichspropagandaministerium unliebsame Minderheiten zuerst als Tiere (wahlweise als Filzläuse oder als Ratten) zeichnete und dergestalt entmenschlichte, ehe sich der Unrechtsstaat ungestört an die physische Eliminierung derselben machen konnte. Vor allem aber rate ich Herrn Rusconi, die Medien nie mehr anzulügen, denn dieses Foul wird früher oder später auf ihn zurück fallen.

Nachtrag: Die vierte Ratte

Auf dem Plakat vermisse ich eine vierte Ratte namens Pierre. Diese hat ein stets makellos geschniegeltes Fell, kackt dafür aber überall dort hin, wo es ihr grad passt und verpestet so das Klima in der Sonnenstube. Wenn Pierre nicht gerade seinen Darm irgendwohin entlädt, klaut er der anderen Ratte (Giulio) alle Käsestücke, die sich diese gesichert hat, aus dem Sack. Oder er macht Schlagzeilen, weil er ein UFO gesehen haben will – und damit Zweifel an seiner geistigen Gesundheit nährt. Na, Pierre, wie wärs? Einverstanden mit einer Neuauflage der Plakate, oder fehlt es etwa an Humor?

Dienstag, 20. Oktober 2009

Testen in der Sonnenstube

Am vergangenen Wochenende hielt der Winter erstmals Einzug in mittleren Lagen der Alpennordseite. Umso schöner wars dafür im Tessin, wo ich für einige Tage weilte, um einen Test von 15 Allmountain-Modellen der kommenden Saison zu leiten.

Bereits am Donnerstag reiste ich mit dem Zug nach Sargans – und von dort als Beifahrer mit dem Herausgeber des Heftes «Outdoor Guide» weiter an den Monte Tamaro. Im Gepäck hatten wir bereits drei der Testräder, und aufm Parkplatz der Tamaro-Bahn warteten zwei Mitarbeiter der Firma Stöckli, um uns ein weiteres Testrad zu überreichen.

Mit der Bahn ging es dann so weit wie möglich den Tamaro hoch, also bis zur Kirche Santa Maria degli Angeli, einem Bauwerk des Tessiner Architekten Mario Botta. Von da an war Treten angesagt: Bis zur Antennne oben aufm Tamaro waren noch rund 500 Höhenmeter zu schaffen. Und das auf einem verwitterten Fahrweg, dessen grober Schotterbelag nur mässige Traktion bot. Die ganze Plackerei wurde dafür mit einer herrlichen Aussicht auf die Magadino-Ebene und die frisch bezuckerten Alpengipfel belohnt.

Und mit einer kilometerlangen Abfahrt auf schmalen Wegen, zunächst in felsigem Gelände, dann durch die Kastanien- und Birken-Wälder an den Hängen des Tamaros. Die letzte Abfahrt hinunter nach Sigifredo erwies sich als veritabler Schüttelbecher – von so etwas wie einer Ideallinie keine Spur, dafür viele lose und grosse Steine, teils versteckt unter Laub. Auch schon entspannendere Abfahrten erlebt.

Von Freitag bis Sonntag war dann der eigentliche Testbetrieb angesagt. Also war Runde um Runde auf der für Mensch und Material durchaus fordernden WM-Strecke von 2003 zurück zu legen, jedes Mal mit einem anderen Rad, aber immer möglichst im gleichen Tempo – schliesslich sollte ein aussagekräftiger Vergleich resultieren, also macht es keinen Sinn, am Morgen Vollgas zu geben, um dann am Nachmittag aufm Zahnfleisch rumzueiern.

Das bedeutete lange Tage: Aufstehen um 7.15 Uhr, Frühstück ab 7.45 Uhr, dann um ca. 8.20 Uhr alle Testräder aus der Garage auf den Anhänger verladen und von Ponte Tresa, wo wir im Hotel Villa del Sole übernachteten, nach Rivera dürsen. Dort von 9.15 Uhr bis 12.15 Uhr testen, dann eine Stunde Pause für einen Teller Pasta, darauf wieder von 13.15 Uhr bis etwa 16.45 Uhr testen. Um etwa 17.15 Uhr zusammen packen, zurück ins Hotel, dort duschen und um 19.30 Uhr besammeln fürs Abendessen.

Während für die Testfahrer der Pflichtteil gelaufen war, warteten auf mich als Testleiter in der Garage noch die Testräder: Jedes Rad wurde von mir abgewogen, die Räder ausgebaut und auf einer präzisen Waage nochmals einzeln gewogen (weil sie als rotierende Masse einen starken Einfluss darauf haben, wie spritzig sich ein Bike fährt) sowie die Spezifikation bis in die Details notiert, um auch die Ausstattung der Räder beurteilen zu können. Das hiess, dass ich noch von 23 Uhr bis 0.30 Uhr in der Garage verschwand, zwecks Erhebung all dieser Daten.

Leckeres Abendessen – am Freitag gabs in einem Grotto wahlweise Hirsch-Fondue oder Wildschwein-Filets, am Samstag haben wir dann in einer Pizzeria gleich über die Grenze in Italien zugeschlagen – und das besonders im Vergleich zur Alpennordseite herrliche Wetter entschädigten aber locker für die langen Tage. Und sogar sturztechnisch habe ich mich zurück gehalten – und mir nicht allzu viel angetan, abgesehen von zwei angeschlagenen Knien. Im Tessin fällt man eben immer hart, egal wie und wo.

Der einzige Wermutstropfen kam auf der Heimfahrt: Obwohl wir uns zeitig auf den Weg machten, gerieten wir vorm Stalvedro-Tunnel in einen ersten Stau – und verloren insgesamt an der Gotthard-Südrampe eineinhalb Stunden. Immerhin konnten wir uns die Zeit vertreiben, indem wir auf dem Powerbook einen Film über Extremkletterer schauten.

Die Resultate des grossen Biketests können Interessierte im kommenden Frühjahr in der Sommerausgabe der Zeitschrift «Outdoor Guide» nachlesen – diese dürfte spätestens Ende April erscheinen. Für mich steht morgen ein weiterer Kurztrip an, und zwar an den Fuss der Zugspitze: Shimano lädt zum OTC-Camp im Cube-Hotel in Biberwies-Lermoos. Und dort dürfte es deutlich kälter sein als noch im Tessin.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

The Treadmill – auf Stollenreifen im Hamsterrad

Bikes zu testen ist harte Arbeit: Spätestens am dritten Tag und auf der vierzehnten Runde hat man die immer gleiche Teststrecke gesehen. Ein guter Grund, sich die Sache etwas zu versüssen.

Ende Oktober. Der Üetliberg (Zürcher Hausberg, eigentlich Uto Kulm) ist in tief hängenden Wolken verschwunden, und die ersten Nassschnee-Flocken fallen bei geschätzten 5 Grad vom Himmel. Höchste Zeit, hier im Blog nochmals auf eines der Highlights im goldenen Oktober zurück zu blicken: Während vier Tagen weilte ich im Tessin, um einer Flotte von 2009er-Fullies auf den Zahn zu fühlen. Das ganze bei angenehmen Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad und angetrieben von Spezialitäten der lokalen Küche.

Zum nunmehr dritten Mal habe ich für die schweizerische Zeitschrift «Outdoor Guide» ein Testfeld mit nicht weniger als 16 Mountain Bikes der kommenden Saison zusammen gestellt. Dazu gesellten sich insgesamt 13 Testfahrerinnen und Testfahrer, die dem Testmaterial gründlich auf den Zahn fühlen sollten. Damit keine Schwächen verborgen bleibt, entschlossen wir uns, die Testfahrten ins Tessin zu verlegen – was nicht bloss klimatische und kulinarische Gründe hat.

Denn so lieblich sich die Sonnenstube der Schweiz an den Gestaden von Lago di Lugano und Lago Maggiore gibt, so knackig sind die Bikestrecken im Tessin: Lose Steine aller denkbaren Grössen, viele Wurzeln und als zusätzliches Handicap eine Schicht Laub, die einen über die Beschaffenheit des Untergrundes im Unklaren lässt, sorgen für Verhältnisse, bei denen sich die Spreu vom Weizen trennt. Zumal auf dem Rundkurs am Monte Ceneri, auf dem 2003 die Weltmeisterschaften der Profis ausgefahren wurden.

Im Vergleich zum Vorjahr hatten wir diesmal etwas gröbere Bikes geordert: Gefragt waren 14 bis 16 Zentimeter Federweg an beiden Achsen, dennoch akzeptable Bergauf-Eigenschaften und jede Menge Reserven und Spass in den Abfahrten. Im Marketing-Slang der Branche werden solche Modelle auch als «All Mountains» bezeichnet, im Volksmund als Tourenbikes fürs Grobe. Dabei sollten die Probanden möglichst nicht mehr als 14 Kilogramm wiegen, damit auch lange Anstiege nicht zur Qual werden. Mit Ausnahme von zwei Testrädern blieben alle Probanden unter der vorgegebenen Marke.

Dank der durchgehend spezifizierten, etwas breiteren Bereifung hielt sich anders als im Vorjahr auch das Schlauch-Gemetzel in engen Grenzen. Nur der RaceKing von Continental erwies sich trotz 2.2 Zoll Breite als deutlich zu leichtgewichtig für das Testgelände – und fiel als Pannen-Champion negativ auf. Geschätzte sechs Reifenpannen kamen mit dem schick designten LaPierre beisammen, auf dessen Felgen diese Mimosen-Reifen aufgezogen waren.

Da plädiere ich klar für etwas schwerere, dafür auch grobem Gelände ohne weiteres gewachsene Reifen. Dass viele Hersteller gar an 7000-Franken-Bikes allerbilligste Schläuche verbauen (ChengShin, gedacht für 1.6 bis 2.1 Zoll und verbaut in Reifen mit 2.35 Zoll Breite), ist ein Ärgernis für sich. Sparen, wo es keiner (im Bikeshop) sieht, aber mit Garantie auf der ersten Ausfahrt merkt, das muss nun wirklich nicht sein.

Dafür fiel keins der getesteten Räder durch, und zwei Bikes schwangen gar deutlich obenaus: Das neue «Remedy» von Trek und das «Zesty» von LaPierre wurden den hohen Erwartungen mehr als gerecht. Leicht und effizient in den Anstiegen, aber dennoch Waffen in den Abfahrten, damit gehen die beiden Bikes als Schweizer Armee-Sackmesser respektive als eierlegende Wollmilchsäue durch.

Andere Testräder wie etwa das Merida und das Commencal hatten ihre Stärken klar in der Abfahrt – und entsprechend häufig wurden diese Bikes dann auch per Gondel zur Mittelstation der Tamaro-Bahn transportiert, um von dort aus über verwinkelte, steinig-wurzlige Pfade wieder zu Tal zu blochen. Zu Beginn der Testerei war dies nur als Zückerchen am Ende des Testtages gedacht. Weil am sonnigen Sonntag Nachmittag aber alle Bikes durchgetestet waren, konnten wir uns noch einige Zusatzfahrten mit der Gondel gönnen – und damit nachholen, was uns am nasskalten Samstag entgangen war.

Dank Pasta in der Mittagspause und Grotto- und Pizzeria-Besuchen am Abend schätze ich mal, dass ich an besagtem, verlängerten Wochenende kein Gramm abgenommen habe. Wer einen solchen Truckerschnauz spatzieren fährt wie ich, sollte aber auch darauf achten, nicht noch dünner zu werden.