Montag, 22. März 2010

Vom Pappschlamm-Trainingseffekt

Temperaturen um die 15 Grad lockten mich am Sonntag Nachmittag an die frische Luft. Dabei musste ich allerdings merken, dass der Winter seine Spuren im Wald hinterlassen hat.

Am ersten, noch auf Stadtgebiet liegenden Hügel präsentierten sich die Trails noch durchaus ansprechend: Griffig, schneefrei und nur stellenweise matschig - dort dafür richtig, so dass es gleich mal eine Fangopackung fürs Gesicht umsonst gab.

So kam ich schnell über den Eschenberg drüber und konnte den steilen Anstieg hinauf zur Kyburg in Angriff nehmen. Dabei kam mir bereits ein erster Weg unter die Stollenreifen, der frisch renoviert, aber noch kaum verdichtet war. Dafür von rücksichtsvollen Reitern umgepflügt - bravo, echt den richtigen Pfad erwischt mit 750 Kilo Pferd unterm Hintern...

Oben an der Kyburg wars wenig gemütlich - zu windig, um länger als nötig zu verweilen. Und zudem bedeckt, während die Stadt Winterthur von der Sonne beschienen war. Also stellte ich den Sattel auf Halbmast und machte mich auf zu einem kleinen Pfad, der zuerst einen Steilhang traversiert und dann durch natürliche Halfpipes zu Tal führt. Schon hier war das Geläuf eher rutschig, aber es sollte noch weit ärger kommen.

Nach einem kurzen Gegenanstieg bog ich ein zweites Mal in den Wald ab, um mir einen kleinen Pfad zu gönnen. Gleich nach dem Abzweiger holperte ich über jede Menge Geäst und Schnittholz, dachte mir aber noch nicht allzuviel dabei. Erst als ich im Steilhang immer langsamer wurde, obwohl ich die Bremse längst wieder geöffnet hatte, schaute ich mir mein Bike mal etwas genauer an.

Und prustete spontan los, denn weil die Förster im Winter mit wirklich schwerem Gerät im Hang gewesen waren, klebte nun eine Unmenge lehmiger Pampe, vermischt mit Tannennadeln, Laub und kleinen Ästen an meinem Bike. Und erhöhte dessen Gewicht mal glatt um den geschätzten Faktor drei - 40 Kilo hatte die Fuhre schon drauf.

Also schenkte ich mir die folgende Passage auf einem notorisch schlammigen Fahrweg und räuberte statt dessen quer durch den Wald zum nächsten Waldweg - je steiler, desto besser, damit die zu Schlammwalzen mutierten Laufräder überhaupt noch drehten. Auf den folgenden Kilometern kehrten die Reifen Klumpen für Klumpen (die mir um die Ohren flogen) wieder zum gewohnten Einbaumass zurück.

Freilich bei deutlich erhöhtem Kraftaufwand, um die Räder trotz des angepappten Schlamms am Drehen zu halten. Entsprechend wurde ich von Kopf bis Fuss eingesaut - und im Tankstellenshop, wo ich mir noch eine Packung Parmesan fürs Abendessen holte, von den anderen Kunden wie ein Ausserirdischer angestarrt. Zu Hause war dann Fleiss gefragt: Mit Bürste und einem Eimer Wasser schrubbte ich eine Viertelstunde lang am Bike herum, bis es wieder als solches erkennbar war.

Und wunderte mich über die Konsistenz des Schlamms, den ich mir eingehandelt hatte: Das war eher Lehm für Töpferarbeiten als irgend etwas anderes - und entsprechend mühsam von Rahmen und Reifen zu bekommen. Auch die Kleider waren ein Fall für die Waschmaschine. Mit anderen Worten: Mal wieder richtig schön im Schlamm gespielt.

Kommentare:

  1. Herrlich :-)
    Immer wieder ein spass deinen Blog zu lesen...

    gruss
    melih

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  2. Klasse :-)
    Siehst aus wie ein Schlammspringer. Mein Tipp des Tages: Einen kleinen Hochdruckreiniger zulegen.

    Gruss Yoe

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